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Resonanzpädagigik - Story
​„Der FlowRider"

(Wie man jede Welle reitet)

 

​

 

Ich stelle mir vor:

​​

Noch erfüllt von der Wärme der Waldlichtung und dem Gefühl tiefer Verbundenheit wende ich

mich nun der zweiten großen Kraft zu.

​

Jener Kraft, die bereits seit einiger Zeit lebendig und beinahe herausfordernd um mich kreist.

Sie wirkt völlig anders.

Dynamischer.

Wilder.

Fast verspielt.

​

Noch während ich sie betrachte, geschieht plötzlich etwas Unerwartetes.

Ohne Vorwarnung springt sie direkt auf mich zu, wird größer und verschlingt mich mit einem einzigen Satz.

 

Einen kurzen Moment lang durchzuckt mich Angst.

​

Was passiert jetzt?

Wo lande ich diesmal?

Und komme ich da überhaupt wieder heraus?

​

Noch bevor ich weiterdenken kann, höre ich plötzlich einen lauten Plumps.

Ich lande mitten im Wasser.Einem Medium, das mir noch nie ganz geheuer war.

 

Sofort schießen Bilder meiner frühen Kindheit in den Kopf.

Ein Wasserbecken. Das Gefühl, den Boden zu verlieren.

Panik.

Ich ertrinke!

​

Für einen kurzen Moment zieht sich alles in mir zusammen.

Doch noch bevor die Angst wirklich die Kontrolle übernimmt, packt mich plötzlich eine starke Hand und stellt mich sicher ins seichte Wasser.

​

Etwas beschämt richte ich mich auf, wische mir das Wasser aus dem Gesicht und murmele ein

leises: „Dankeschön...“

​

Erst jetzt sehe ich meinen Retter genauer an.

Ein sportlicher Kerl mit sonnengebräunter Haut, bunter Badehose und einem breiten, ansteckenden Grinsen.

Doch noch bevor ich etwas sagen kann,

ruft er mir fröhlich zu: „Vorsicht - Welle!“

​

Im nächsten Augenblick reißt es mir erneut den Boden unter den Füßen weg.

Wieder lande ich im Wasser.

Auch diesmal nicht sonderlich elegant.

​

„Schönen Dank auch...“, murmle ich nun etwas verärgert, während ich mich wieder aufrichte.

​

Der Kerl lacht herzhaft.

Nicht spöttisch.

Eher warmherzig.

​

„Naja... ganz ohne Flow und ohne Board ist das Meer etwas widerspenstig. Komm lieber raus -

da kommt schon die nächste Welle.“

 

Rasch bewege ich mich Richtung Strand.

Erst jetzt bemerke ich, wie belebt dieser Ort eigentlich ist.

Überall sitzen, stehen oder laufen Menschen unterschiedlichsten Alters.

​

Manche spielen, andere bauen seltsame Bretter zusammen.

Wieder andere beobachten ruhig das Meer.

Und überall am Strand liegen merkwürdige Holzfragmente herum.

Puzzleteile?

​

Auf manchen stehen Worte, auf anderen Symbole.

Ein seltsamer Ort ist das hier.

Fast so, als hätte jemand Gedanken sichtbar gemacht.

​

Der sonnengebräunte Mann scheint meinen Blick zu bemerken.

Er grinst erneut.

Einen kurzen Moment lang glaube ich, etwas Vertrautes in ihm zu erkennen.

Fast so, als wäre er irgendwie mit dem kleinen Männchen aus der Waldlichtung verwandt.

​

Und da wird mir klar: natürlich!

Es ist derselbe oder zumindest eine andere Erscheinungsform desselben Wesens.

Dort ruhig, achtsam, haltend, hier lebendig, mutig, herausfordernd.

​

Doch in beiden erkenne ich dieselbe Wärme, dieselbe Resonanzfähigkeit.

​

„Also...“, beginnt der Mann fröhlich, während er auf die verstreuten Puzzleteile deutet, „du befindest dich hier auf Platons Ideenstrand.“

​

Er hebt eines der Teile auf.

„Hier findest du jede Menge hilfreicher Ideen, Fähigkeiten, Haltungen und Erfahrungen, mit denen du dir dein eigenes Board bauen kannst.“

​

Dann blickt er hinaus aufs Meer.

„Und wenn du gut im Flow bist, schaffst du es vielleicht irgendwann sogar, dein eigenes FlowBoard zu reiten.“

​

Er wirft mir ein weiteres Puzzleteil zu. „Melde dich, wenn du bereit für die nächste Welle bist. Oder zieht es dich doch lieber zurück in die Geborgenheit?“

​

Ich denke kurz über sein Angebot nach.

Zurück zur Waldlichtung?

Nein.

Noch nicht.

Etwas hier hat meine Neugierde entfacht.

​

Also beginne ich, den Strand entlangzugehen.

Ich betrachte die einzelnen Boardteile genauer.

​

Auf manchen entdecke ich Begriffe, die mir vertraut vorkommen.

Mut.

Vertrauen.

Humor.

Achtsamkeit.

Selbstreflexion.

Kreativität.

Grenzen spüren.

Hilfe annehmen.

Fehler zulassen.

Verantwortung übernehmen...

​

Langsam beginne ich, mir daraus mein erstes eigenes Board zusammenzustellen.

Und währenddessen bemerke ich plötzlich:

Ich fühle mich leicht.

Beweglich.

Fast beschwingt.

​

Das wird wohl der „Flow“ sein, den alle hier erleben.

Mit meinem fertigen Board gehe ich schließlich zurück zum Strand. Die anderen nennen den Mann wie ich höre den „FlowRider“.

Von den Strandgästen erfahre ich, dass er hier eine Art Schule betreibt. Eine Schule des Lebens.

​

„Ein echter FlowRider“, erklärt mir eine ältere Surferin lachend, „meistert jede Welle.“

​

Ich blicke hinaus aufs Meer und erkenne:

Die Wellen sind weder für mich - noch gegen mich.

​

Sie sind einfach.

Wie das Leben selbst.

Sie beziehen keine Stellung.

Sie wollen mich nicht bestrafen.

​

Aber sie verschwinden auch nicht, nur weil ich sie ignoriere.

Wer gegen sie kämpft, verliert Kraft und die Balance.

Wer sie verdrängt, wird irgendwann von ihnen erfasst.

​

Doch wer lernt, sich mit ihnen zu bewegen, kann lernen, auf ihnen zu surfen.

Nicht perfekt.

Nicht ohne Stürze.

​

Aber lebendig!

​

Den restlichen Tag verbringe ich im Wasser, mal alleine übend, dann gemeinsam mit den

anderen.

Immer wieder mit dem FlowRider.

Wir lachen viel.

Wir beklatschen gelungene Bewegungen.

Und helfen jenen, die gerade den Halt verlieren - oder ihr Board verlieren.

​

Ich verstehe: dieser Ort unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Waldlichtung.

Auch hier entsteht Geborgenheit, doch sie fühlt sich anders an.

Dynamischer.

Mutiger.

Lebendiger.

​

Ich grinse vor mich hin „No risk... no fun.“

 

Und genau in diesem Moment gelingt mir plötzlich ein Move mit meinem Board, der sich

vollkommen stimmig anfühlt.

​

Für einen kurzen Augenblick verliere ich jedes Zeitgefühl.

​

Ich höre die anderen klatschen und begeistert rufen.

​

Dann verschwimmt alles um mich herum.

​

Die Szene lst sich auf und ich lande wieder mitten zwischen den beiden großen Grundkräften menschlicher

Entwicklung.

​

Geborgenheit und Wachstum.

​

Für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, als würden mir beide fröhlich zuzwinkern und so zwinkere ich zurück.

 

Was für ein Abenteuer das doch gerade war...

​

​

​

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