Resonanzpädagigik - Story

„Die Reise zum Friedensort"
(Geborgenheit als Grundlage menschlicher Existenz)
Ich stelle mir vor:
Mit einer Mischung aus Neugier und tiefer Sehnsucht lasse ich mich nun weiter in die Sphäre der Geborgenheit hineinziehen.
Und plötzlich beginnt sich alles um mich herum zu verändern.Das Resonanzfeld löst sich langsam auf.
Die Farben verschwimmen.
Die Bewegung wird ruhiger.
Bis ich erkenne, dass ich nicht mehr im abstrakten Raum der Kräfte stehe.
Ich bin an einem Ort.
Meinem Ort.
Einer kleinen Waldlichtung aus meiner Kindheit.
Sofort erkenne ich sie wieder.
Den schmalen Waldbach.
Die großen Steine, warm von der Sonne.
Das glitzernde Wasser.
Der unverwechselbare Geruch des Baches - kühl, frisch, glasklar.
Und dazu der unverwechselbare Duft des Waldes.
Warm.
Wohlig.
Fast so, als würde mich der ganze Ort umarmen.
Ich lächle sofort, denn ich kenne diesen Platz.
Es ist mein Lieblingsort aus Kindertagen.
Ein realer Ort, den ich einst im Urlaub mit meiner Familie entdecken durfte und der sich so tief in
mir eingegraben hat, dass er irgendwann zu meinem inneren Friedensort wurde.
Dorthin zog ich mich früher zurück, wenn es um mich herum zu laut, zu stürmisch oder zu schwer wurde. Fast automatisch ziehe ich Schuhe und Socken aus und lasse meine Füße ins kalte Wasser
gleiten.
Ach... Herrlich!
Das Wasser umspült langsam meine Haut.Ich schließe zufrieden die Augen und spüre, wie mein ganzer Körper ruhiger wird – geborgener, getragener.
Ich weiß nicht, wie lange ich so dasitze.
Vielleicht Minuten.
Vielleicht Stunden.
Vielleicht schlafe ich sogar kurz ein.
Oder träume ich das alles nur?
Und plötzlich frage ich mich:
Ist das hier eigentlich Traum oder Wirklichkeit?
Doch noch bevor ich weiterdenken kann, spüre ich, dass etwas anders ist.
Ich öffne langsam die Augen.
Und da sitzt plötzlich jemand auf einem Stein am anderen Ufer des kleinen Baches.
Ein kleines Männchen.
Es winkt mir freundlich zu und sofort erkenne ich es wieder.
Mein erdachter Freund aus Kindertagen.
Als es bemerkt, dass ich mich freue, es zu sehen, springt es mit erstaunlicher Leichtigkeit über
die Steine des Baches und setzt sich neben mich.
Ganz selbstverständlich.
Es nimmt einen Grashalm in den Mund, blickt mich freundlich an und fragt mich mit einer Wärme, die mich sofort berührt:
„Magst du mir wieder einmal eine schöne Erinnerung schenken?
Ich würde mich sehr freuen, eine deiner Geschichten hören zu dürfen.“
Ich beginne zu überlegen.
Welche Geschichte könnte ich erzählen?
Als das kleine Männchen erkennt, dass ich alleine nicht weiter komme hilft es mir.
Behutsam fragt es:„Wann hattest du zuletzt richtig viel Freude?“
Und sofort taucht ein Bild in mir auf.
Ich beginne zu erzählen.
Von unserem Muttertagespicknick am See.
Von meiner Frau und von meinen beiden Kindern.
Wie wir gemeinsam essen, trinken, lachen, Karten spielen.
Wie leicht sich dieser Tag angefühlt hat.
Wie verbunden.
Während ich erzähle, geschieht etwas Eigenartiges.
Das kleine Männchen unterbricht mich kein einziges Mal.
Es bewertet nichts.
Es korrigiert nichts.
Es kommentiert nichts.
Es lässt meine Worte einfach sein.
Und damit entsteht zwischen uns beiden eine gemeinsam geteilte Wirklichkeit.
Nicht bloß Erinnerung, es ist, als würde meine Geschichte im Raum zwischen uns lebendig
werden.
Als säßen wir beide gemeinsam mit meiner Familie am See.
Ich beginne zu erkennen: das kleine Männchen sieht nicht mit seinen Augen, es kann durch meine sehen.
Es fühlt, was ich fühle.
Es erlebt, was ich gerade neu erlebe.
Ohne Kommentar.
Ohne Korrektur.
Ohne Deutung.
Und da erkenne ich, was hier eigentlich geschieht.
Ich erzähle nicht bloß eine Geschichte.
Ich zeige mich.
Mich!
Ohne Schutzsysteme, ohne Vorsicht, ohne Angst oder Scham.
In diesem Moment verstehe ich plötzlich, was Resonanz auch bedeuten kann.
Vielleicht entsteht so manche Heilung genau dort, wo Menschen sich zeigen dürfen, ohne sich
verteidigen zu müssen.
Als ich meine Geschichte beendet habe, blickt mich das kleine Männchen mit leuchtenden Augen
an.
Dann sagt es leise: „Danke.
Das war ein wunderschönes Geschenk.
Ich werde diese Geschichte von nun an in meinem Herzen tragen.“
In diesem Augenblick geschieht etwas Seltsames.
Mein Herz beginnt zu pochen.
Warm.
Kräftig.
Lebendig.
Eine Welle aus Liebe, Dankbarkeit und Geborgenheit durchströmt mich.
Ein so schönes Gefühl, das ich beinahe vergessen habe.
Für einen kurzen Moment glaube ich, vor Glück zerspringen zu müssen, da beginnt sich die Waldlichtung langsam zu verändern.
Ganz sanft.
Fast liebevoll.
Es ist, als würde mich dieser Ort nun wieder entlassen.
Langsam löst sich das Bild auf.
Der Bach.
Die warmen Steine.
Der Wald.
Das kleine Männchen.
Alles wird heller.
Leichter.Bis ich plötzlich wieder im äußeren Resonanzfeld stehe.
Vor mir kreisen erneut die beiden großen Grundkräfte menschlicher Entwicklung.
Da verstehe ich!
Ich verstehe, worum es bei Geborgenheit wirklich geht.
Ein Friedensort ist nicht bloß ein Ort, er ist ein Zustand.
Ein Raum, in dem Menschen sicher genug werden, um sich wirklich zeigen und begegnen zu können.
Vielleicht ist das genau der Ort, wo jede echte Entwicklung ihren Anfang nimmt...
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Gernot Kulhanek. Lederergasse 21/46, 3100 St. Pölten, praxis@kulhanek.at

