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Resonanzpädagigik - Story
​„Lebendig-Sein"

(Die zwei Grundkräfte menschlicher Entwicklung)

 

​

 

Ich stelle mir vor:

​​

Als ich mich diesmal zu einer neue Reise aufmache und aus dem Pactum Concordiae auftauche,

nehme ich plötzlich zwei starke Kräfte wahr, die das Pactum umkreisen.

 

Sie wirken ruhiger als die sechs Übereinkünfte - und gleichzeitig weit konzentrierter.

 

Nicht wie einzelne Regeln oder Haltungen.

Eher wie zwei uralte Bewegungen des Lebens selbst.

 

Sie umkreisen sich, durchdringen einander, ziehen sich an, stoßen sich ab.

 

Wie Tag und Nacht.

Wie Sonne und Mond.

Wie Yin und Yang.

 

Je länger ich sie beobachte, desto wird mir:

 

Hier geht es nicht um einen Sieg der einen Kraft über die andere, sondern um ihre Balance.

Ein Zuviel der einen lässt die andere verkümmern.

 

Zu viel Sicherheit erstickt Entwicklung, zu viel Herausforderung zerstört Geborgenheit.

 

Ich erkenne nun, warum so viele Menschen innerlich erschöpft, ängstlichoder verloren wirken:

Weil diese beiden Kräfte aus ihrer Balance geraten sind.

 

Während ich die erste Kraft betrachte, spüre ich sofort etwas Vertrautes.

Wärme.

Ruhe.

Ankommen.

Wie ein inneres Feuer, das niemals ganz erlischt.

​

Geborgenheit!

 

Ich erkenne, dass jeder Mensch diese Erfahrung irgendwann in sich gefunden hat. Vielleicht erinnern wir uns nicht bewusst daran, vielleicht liegt sie tief verborgen.

 

Und dennoch scheint sie da zu sein.

 

Vielleicht beginnt sie bereits im Mutterleib, vielleicht entsteht sie in den Armen eines Menschen, der uns bedingungslos liebt.

Vielleicht in einem Blick, einer Stimme, einem Geruch, einem Gefühl völliger Sicherheit.

 

Ein Zustand, in dem wir nicht kämpfen, nicht funktionieren, nicht leisten müssen, sondern einfach sein dürfen.

 

Jetzt verstehe ich, warum Menschen sichere Orte so dringend brauchen.

Nicht bloß räumlich.

Sondern existenziell.

 

Geborgenheit kann an einem Raum entstehen, aber ebenso in einem Menschen, einer Beziehung, einer Gruppe, einem Gespräch, in einem Ritual, der Natur, einer innigen Tätigkeit oder einer

inneren Haltung.

 

Überall dort, wo Menschen Sicherheit erleben, beginnt sich ihr inneres Feld zu regulieren.

 

Angst beruhigt sich.

Der Körper entspannt sich.

Menschen kommen wieder bei sich selbst an.

 

Im Wirken dieser Geborgenheit erkenne ich, dass Entwicklung niemals dort beginnt, wo Menschen permanent kämpfen müssen.

 

Entwicklung beginnt dort, wo genug Sicherheit vorhanden ist, um loslassen zu können.

 

Bevor ich noch stärker in diese Wärme eintauche, beginnt sich die zweite Kraft deutlicher zu zeigen.

 

Und sofort verändert sich die Bewegung des Feldes.

 

Alles wird dynamischer.

Lebendiger.

Mutiger.

 

Ich spüre, es ist ein stetiges Wachstum.

 

Diese Kraft nährt sich aus der Geborgenheit, wie eine Pflanze, die nur wachsen kann, wenn ihre Wurzeln gehalten werden.

 

Sie ist die Lust, sich selbst zum Ausdruck zu bringen.

​

Die Sehnsucht, die Welt zu entdecken.

 

Ich erkenne, dass bereits kleine Kinder von dieser Kraft erfüllt sind: sie wollen greifen, krabbeln,

laufen, sprechen, klettern, fragen, sich erproben.

 

In dieser Welt ist nichts statisch.

Sie bewegt sich unaufhörlich und wir bewegen uns mit ihr.

 

Es wird mir klar:

Wenn genügend Sicherheit vorhanden ist, macht das Neue keine Angst.

Dann weicht Unsicherheit der Lust am Entdecken.

 

Dann wird Herausforderung zu Entwicklung und es entsteht Neugier statt Rückzug, Mut statt Erstarrung.

 

Ich begreife, dass Menschen sich nicht in völliger Sicherheit entwickeln, Sie wachsen an Bewegung, Erfahrung, Begegnung und Selbstwirksamkeit.

 

An dem Gefühl, etwas bewirken zu können.

 

Doch erkenne ich auch:

Überforderung erzeugt kein Wachstum.

Kontrolle erzeugt keine Lebendigkeit.

 

Entwicklung entsteht vielmehr im feinen Zusammenspiel von Sicherheit und Herausforderung, von Bindung und Autonomie, von Ruhe und Bewegung.

Von Geborgenheit und Wachstum.

 

So betrachtet, wirken diese beiden Kräfte nicht länger wie Gegensätze, sondern wie zwei Seiten desselben einzigartig, menschlichen Lebens.

 

Die eine hält uns.

Die andere ruft uns.

 

Die eine schenkt Sicherheit.

Die andere Bewegung.

 

Die eine sagt:

„Du bist sicher.“

Die andere flüstert:

„Du darfst wachsen.“

 

Während ich diese beiden Kräfte betrachte, spüre ich, wie sich eine tiefe Vorfreude in mir ausbreitet.

 

Denn ich ahne bereits:

Wenn Geborgenheit tatsächlich die Quelle menschlicher Entwicklung ist, dann möchte ich nun wirklich in sie eintauchen.

 

Nicht bloß beobachten, sondern erfahren.

Und herausfinden, welche Geschichten, welche Bilder und welche Wahrheiten dort auf mich warten.

​

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