Resonanzpädagogik in Schulen

FlowRider – Schule im Flow
Schulsozialpädagogik nach Kulhanek
1. Das Bild des FlowRiders
(Metapher und pädagogische Übersetzung)
Der Begriff „FlowRider“ beschreibt ein pädagogisches Leitbild für den Umgang mit den vielfältigen
Anforderungen und Dynamiken des schulischen Alltags. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass
Kinder – ebenso wie Erwachsene – permanent mit „Wellen“ konfrontiert sind: emotionale
Herausforderungen, soziale Spannungen, Leistungsanforderungen, innere Konflikte und äußere
Erwartungen.
Der Begriff „Flow“ verweist dabei auf einen Zustand innerer Beteiligung, in dem ein Mensch sich als
handlungsfähig, aufmerksam und in gewisser Weise stimmig erlebt. Flow entsteht nicht durch Druck, sondern durch ein Zusammenspiel aus Herausforderung, Sicherheit und persönlicher
Bedeutsamkeit.
Der „Rider“ ist derjenige, der sich bewegt.
Er steht für das lernende Subjekt: ein Kind, das sich erprobt, Fehler macht, sich neu orientiert und schrittweise Kompetenzen entwickelt.
Der „FlowRider“ geht über das bloße „Bewältigen“ hinaus. Er versucht nicht, Wellen zu kontrollieren
oder zu vermeiden, sondern tritt mit ihnen in Beziehung. In dieser Perspektive wird Lernen nicht als
Anpassung an äußere Anforderungen verstanden, sondern als dialogischer Prozess zwischen
Individuum und Welt.
Diese Metapher lässt sich konkret auf den schulischen Kontext übertragen:
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Das Wasser steht für das Leben selbst – für all das, was Kinder bewegt und berührt.
-
Die Wellen stehen für konkrete Herausforderungen im Alltag.
-
Das Meer beschreibt den größeren Kontext: Familie, Schule und Gesellschaft.
-
Die Bucht symbolisiert die Schule als geschützten Raum, in dem Erfahrungen gemacht und verarbeitet werden können.
- Das Board steht für Kompetenzen – kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten sowie innere
Haltungen. - Der Surfer ist das Kind als eigenständige Persönlichkeit.
Die Rolle der Pädagogik im FlowRider-Verständnis besteht darin, Bedingungen zu schaffen, untedenen Kinder lernen, mit diesen Wellen in eine tragfähige Beziehung zu treten. Ziel ist nicht die
Vermeidung von Schwierigkeiten, sondern die Entwicklung von Handlungskompetenz im Umgang
mit ihnen.
2. Pädagogischer Hintergrund: Resonanzpädagogik nach Kulhanek
3. Aufbau und Struktur einer FlowRider-Schule
Phase 1: Vorbereitung – Ko-Kreation
Zu Beginn steht eine systematische Einbindung aller relevanten Gruppen. Ziel ist es, ein möglichst
umfassendes Bild der bestehenden Schulkultur zu gewinnen.
Dabei werden insbesondere Erzählungen gesammelt:
-
Was erzählen Kinder über ihre Schule?
-
Was erzählen Lehrpersonen über ihren Alltag?
-
Was berichten Eltern über ihre Wahrnehmung?
-
Welche Geschichten „erzählen“ Räume, Abläufe und Strukturen?
Diese Perspektiven werden gesammelt, strukturiert und gemeinsam reflektiert. Auf dieser Grundlage entsteht ein erstes, gemeinsam getragenes Konzept.
Phase 2: Vorbereitung – Aktivierender Einstieg (Story Dealing)
Ein zentraler Bestandteil ist ein aktivierendes Startformat, idealerweise zu Beginn eines Schuljahres
oder als besonderes Projekt. Dieses kann als bewegungsorientiertes Mitmachformat gestaltet werden.
Über körperliche Erfahrungen, Balanceübungen und spielerische Herausforderungen wird das Thema „Umgang mit Wellen“ erfahrbar gemacht. Parallel dazu entwickeln Kinder eigene „FlowBoards“.
Diese enthalten persönliche Stärken, hilfreiche Strategien, wichtige Gedanken und Gefühle sowie unterstützende Haltungen.
Ergänzend werden gemeinsam „Hilfetafeln“ erarbeitet, die konkrete Unterstützungsmöglichkeiten in
schwierigen Situationen sichtbar machen.
Phase 3: Wanderausstellung
Die Inhalte des Projekts werden in Form einer Wanderausstellung aufbereitet.
Eine Version richtet sich an Kinder und arbeitet stärker visuell und erfahrungsorientiert.
Eine zweite Version richtet sich an Erwachsene und ermöglicht eine reflektierte Auseinandersetzung
mit den zugrunde liegenden Konzepten.
Ziel ist ein gemeinsames Verständnis von Lernen, Entwicklung und Beziehung.
Phase 4: Beispielbetrieb
In einer Erprobungsphase werden erste Module im Schulalltag umgesetzt. Diese umfassen
strukturierte Angebote für Klassen, Gruppen und Einzelpersonen.
Die Schule wird dabei als Übungsraum verstanden, in dem neue Formen des Umgangs mit
Herausforderungen erprobt werden können.
5. FlowRiding im laufenden Betrieb
Nach der Aufbauphase wird das Konzept in den regulären Schulalltag integriert.
Statische Elemente
Dazu gehören dauerhaft verfügbare Materialien wie Ausstellungselemente, Informationsunterlagen
und visuelle Bezugspunkte im Schulhaus.
Dynamische Angebote
Für Schüler:innen werden regelmäßige Gruppenangebote, Workshops und Projektformate
angeboten.
Themen können unter anderem sein:
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Umgang mit Konflikten, Emotionen verstehen,
-
Zusammenarbeit stärken
-
oder Selbstwirksamkeit erleben.
Für Lehrpersonen werden Formate zur Reflexion und Weiterentwicklung angeboten, etwa in Form
von Coaching, kollegialer Beratung oder Supervision.
Für Eltern werden Gesprächsangebote und Informationsformate bereitgestellt, um sie in die
Prozesse einzubeziehen und ein gemeinsames Verständnis zu fördern.
Peer-Ansatz
Ein wichtiger Bestandteil ist die Ausbildung von Schüler:innen zu sogenannten FlowRider-
Begleiter:innen. Diese übernehmen unterstützende Rollen im Schulalltag und wirken als
Multiplikatoren.
Einzelfallarbeit
Parallel dazu erfolgt klassische schulsozialpädagogische Arbeit. Einzelne Kinder werden bei Bedarf
intensiver begleitet. Dabei werden Schule, Familie und gegebenenfalls weitere Systeme miteinander
vernetzt.
4. Zielsetzungen
Für Kinder steht die Entwicklung von Selbstvertrauen, emotionaler Stabilität, sozialer Kompetenz
und Lernfreude im Mittelpunkt.
Für Lehrpersonen geht es um Entlastung, Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten und eine
vertiefte Beziehungsgestaltung im Unterricht.
Für Eltern steht die Einbindung in schulische Prozesse sowie ein besseres Verständnis für die
Entwicklung ihrer Kinder im Vordergrund.
5. Besonderheit des Ansatzes
Das FlowRider-Konzept verbindet pädagogische Haltung, methodisches Handeln und konkrete
Erfahrungsräume.
Es ist nicht primär problemorientiert, sondern ressourcenorientiert. Gleichzeitig bleibt es
anschlussfähig für klassische schulische Anforderungen und bestehende Strukturen.
Die Kombination aus Erlebnis, Reflexion und systemischer Einbindung ermöglicht eine nachhaltige
Wirkung auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Schlussgedanke
Kinder lernen nicht primär durch Vorgaben, sondern durch Erfahrungen in Beziehung.
Die Aufgabe der Schule besteht darin, Räume zu schaffen, in denen Kinder diese Erfahrungen
machen können.
Der FlowRider-Ansatz versteht Schule als Ort, an dem Kinder lernen, mit den Wellen ihres Lebens in
eine tragfähige Beziehung zu treten und daraus eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Formate
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Gernot Kulhanek. Lederergasse 21/46, 3100 St. Pölten, praxis@kulhanek.at


